Noch

1. April 2009

1.

Das eine besitzt einen Klang, das andre
besitzt einen Klang. Stein,
der noch nicht gesprochen hat.
(– Ein Wiedergesprochnes…)
Lungen-
luft, in sich

lauern die Welten auf Gott
zahnt es zu Wille und Gas.

(Wir hielten die Stille. Die Stille hielt uns.)

2.

Was noch im Weltenwuchs verband:
als vage Grenze zwischen den Leben,
wie eine kleine Heimat zwischen Hitze und Brot,
das auf-
strebende Licht.

Keime gibt es
und Aas.

3.

Lichtgedanke, wir wissen´s,
und die Luft ist kein Ding ist ein Rätsel; der Himmel
kein Himmel. Noch
fühlen drunten, mickrig, die Zellen die Welt.

(Gegen, entgegen, ent. Wir
hielten die Stille…)

4.

Ein Nichtaufhören voller Blutrot und Stein.
Ein Wiedergesprochenes.
Flattern, aufflattern, auf.

Was die Welt noch nicht wusste
als sie Blau ward, entgegen:
dass wir dort waren, immer,
unter Nessel und Ring
und warteten.

Naehern

12. Dezember 2008

Ein Wellenmaß nähert, erinnert sich dieser
einen fremden Stunde Blau – inwärts
fährt es in Welten, wie lange?, wie lange
haben die Münder, die Strophen,
uns Silben geliehen fürs Hersagen Aller, halten
die Wortklappen?

Dass wir dort sind beim Wasser, bei Wahrheit,
beim heilig Zugeronnenen – mit den Augen, Blau,
mit den Händen, Schwere, mit
der Zunge:
sprich es: wie lange bleiben wir endlos
eingestreut, Bug um Bug, Silbe um Silbe, darinnen?

Was weiß
der dem Boden zugeknöcherte Sand
in seiner ganz-und-gar-nicht-Form?

Blauwelle, Zeitding, Satz –
Ein Ungesammt nähert, erinnert.

?

5. Dezember 2008

Es wurde bekannt. Es
lag als Sternenpaar als Stern
vor Mondgelicht und allem Durst; Wasser,
das einlief, Wasser, das fortlief,
Nachtgewässer, unbekannt –

lag im Dauerdunklem schlafgeschlossen,
ging aufrecht, zyklisch, griff
nach Morgenröten uneinnehmbar,
spähte, nahte, schwieg – wie es
fortsichstoßend übernahm –
unter dir, unter mir, tief.

Hell wie Lipide
verbarg es. Nahm es
nicht die Namen, es nahm
nur Wunder, hoch
in sich.

(Wir drängen den Raum. Wir nennen die Dinge.)

Unbekannt
treten wir über. Längst taggefleckt,
begehbar.

Erster Winter, ISMUS

21. November 2008

Schnee
in vielen Armen. Seitlich
erreicht uns
der Aufschlag des Windes,
gräbt sich zu Blut, unter. Zeit
kennt den Grashalm noch heute.
Bekennendes Licht –
Übungsraum, wie vollzogener Klang, wie:
ein Porenguß einwärts.

Glück
dauert. Eine nasse Wiese. Kristallinhand.
Der Gänseruf drüber. Das Nichts,
belippbar, das
Alles.

Reiz

17. November 2008

Kratz an den Beeren
Verschlinge die Antitage –
Im Abseits werden wir
Zu Göttern dort draußen.

Wir zählen Drachenträume und Ruß
Werden Zehntausende sein –
Was immer der Ahorn beweißt
Verblüht als Licht in den Winden.

DoppelA

9. November 2008

Jedem, was wir sind (steigen…), und trotzdem
weiterhin nichts –
Bakterien kommen vor, Bakterien-
tode kommen vor, Zeitzonen. Mech-
anisch. Das enorme Abrollen
von Irgendwas. Blut
klammert nicht ewig, noch finden
sich Worte in
Worten zurecht. Noch
bis auf die Knochen:

– Geh´n wir unter in Erde, ins Hin-Sagen! – sagen wir´s dort:
dass uns der Atem höllt in den Zellen, an Land
pulsbar noch Lebchen,
und Lippen-
wasser nur Saft ist,
un-
füg-

bar.

Ostsee 2

2. November 2008

Von uns Tieren die Hoffnung. Blau-
es Band, Erdtönen nahe,
und zur Küste nur Herzgang.

Unnahbar fließen,
unnehmbar. Mit dem
Meergang im Reinen, Zwischen-
zeit end-
los.

Gen Menschen, gen
farbbarer Formel. Anknüpfen
was Alles, was
Niederkunft war. Noch
bewegliche Erde,
hier.

Ostseebad-Psalm-17a

31. Oktober 2008

25.10.08.
Der Autor liest Auszüge aus seinem neuesten Gedichtzyklus „Damm – das Arschmuskelgedächtnis“ in der Schifferskirche zu Ahrenshoop, die später als berüchtigte „Branntlesungen“ in die „Analen“ des Ostseedorfes eingehen werden. Nicht im Bild: Sanddornpunsch, Bürgermeister, www.dammbruch.de, ausrastende Gemeinde, McCain.

Ostseebad 4

29. Oktober 2008

Es dunkelt nicht.
Grashalme ziehen blindlings entlang.
Lange Becken wirft das Meer, der Wind
kennt sich, kennt sich nicht, weiß.
Sand nichts als Sand.
Lassen wir´s gut sein:

Es dunkelt nicht.

index.cfm?fuseaction=vids.individual&videoid=45018397

Dennis Freischlad, Germarath, und Mattia Borghi, Italien. Musik: Jeremie Bastard, Frankreich.
Premiere am 15. 10.08 im Kunstkonsum, Tacheles, Berlin, tolles volles Haus. Bilder folgen.

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