Rheintage, 1
31. Juli 2010
Dass wir gemacht sind hierfür die Welt
setzt sich über dem Rhein
zu Zwischenwelten zusammen wir
haben uns Wolken zugesprochen und warten
in den Ecken des Himmels blaugekrönt
nennen es Luft oder Bild oder Ton und
wissen über das Taggesagte dass es
nicht nachdenkt über uns.
Unter den Dingen/Gegen das Wort
8. Juli 2010
Auf kein Ding ist je ein Wort gekommen.
Alles hält sich unter der Hand.
Die Bilder sind uns jäh zerronnen,
des Lebens Wirken in Ahnung gebannt.
Nichts vom Ganz-hier-sein war jemals so nah
dass ein Stift in der Welt es erspürte.
Die Silben sind schläfrig, die Träume kaum wahr,
in die uns der Federstrich führte.
Auf kein Ding ist je ein Ding gekommen -
In allem Wollen will es sich nicht.
Unter den Monden und über den Sonnen,
brennt nicht dieses Helle, brennt nicht dieses Licht.
Atembrecher
9. November 2009
Inmitten der Zeit
Vollzeit/Überzeit/Zeitheit
ziehen sich Gräben
weiterhin
weit-
hin
von Herzen zu Herzen und
Stoff zu Stoff
Gräben
wie im Paradies.
Das nur verstehen, einfach
nur das.
Das wär das Gedicht.
Hain
18. April 2009
Als wären
wirklich
Rinde und Stein
als wären
sie dort, wo sie binden,
im Wuchs.
Planetentrift
als würden sie kommen, ankommen,
zugunsten.
Hergesagtes, nein, Felsen-
schrift, nein,
nur eine Ahnung, Bildversprechen,
ein Fingerzeig erdwärts,
von Wort zu Wort ohne Ziel
ohne Ahnung, getan:
so als wären
ja wären
ziellos die Leben
belanglos das Sterben;
die Planeten echt
ohnegleichen.
So als würden
– käme man nah –
die Wälder entrastern.
Wirklich, wirklich
das Licht.
Wirklich die Masse
die es anhebt
und unentrinnbar der Stein
auf seiner Kelle zur Welt.
Das Universum (Universum?), stramm,
vergisst sich um Ziffer und Satz.
Was wir lernen
lernt sich im Schatten
weiß sich im Lichtkern
vorhanden.
Ja.
So als wären, tiefer,
die Edlen am Werk.
Noch
1. April 2009
1.
Das eine besitzt einen Klang, das andre
besitzt einen Klang. Stein,
der noch nicht gesprochen hat.
(– Ein Wiedergesprochnes…)
Lungen-
luft, in sich
lauern die Welten auf Gott
zahnt es zu Wille und Gas.
(Wir hielten die Stille. Die Stille hielt uns.)
2.
Was noch im Weltenwuchs verband:
als vage Grenze zwischen den Leben,
wie eine kleine Heimat zwischen Hitze und Brot,
das auf-
strebende Licht.
Keime gibt es
und Aas.
3.
Lichtgedanke, wir wissen´s,
und die Luft ist kein Ding ist ein Rätsel; der Himmel
kein Himmel. Noch
fühlen drunten, mickrig, die Zellen die Welt.
(Gegen, entgegen, ent. Wir
hielten die Stille…)
4.
Ein Nichtaufhören voller Blutrot und Stein.
Ein Wiedergesprochenes.
Flattern, aufflattern, auf.
Was die Welt noch nicht wusste
als sie Blau ward, entgegen:
dass wir dort waren, immer,
unter Nessel und Ring
und warteten.
Naehern
12. Dezember 2008
Ein Wellenmaß nähert, erinnert sich dieser
einen fremden Stunde Blau – inwärts
fährt es in Welten, wie lange?, wie lange
haben die Münder, die Strophen,
uns Silben geliehen fürs Hersagen Aller, halten
die Wortklappen?
–
Dass wir dort sind beim Wasser, bei Wahrheit,
beim heilig Zugeronnenen – mit den Augen, Blau,
mit den Händen, Schwere, mit
der Zunge:
sprich es: wie lange bleiben wir endlos
eingestreut, Bug um Bug, Silbe um Silbe, darinnen?
Was weiß
der dem Boden zugeknöcherte Sand
in seiner ganz-und-gar-nicht-Form?
Blauwelle, Zeitding, Satz –
Ein Ungesammt nähert, erinnert.
?
5. Dezember 2008
Es wurde bekannt. Es
lag als Sternenpaar als Stern
vor Mondgelicht und allem Durst; Wasser,
das einlief, Wasser, das fortlief,
Nachtgewässer, unbekannt –
lag im Dauerdunklem schlafgeschlossen,
ging aufrecht, zyklisch, griff
nach Morgenröten uneinnehmbar,
spähte, nahte, schwieg – wie es
fortsichstoßend übernahm –
unter dir, unter mir, tief.
Hell wie Lipide
verbarg es. Nahm es
nicht die Namen, es nahm
nur Wunder, hoch
in sich.
(Wir drängen den Raum. Wir nennen die Dinge.)
Unbekannt
treten wir über. Längst taggefleckt,
begehbar.
Erster Winter, ISMUS
21. November 2008
Schnee
in vielen Armen. Seitlich
erreicht uns
der Aufschlag des Windes,
gräbt sich zu Blut, unter. Zeit
kennt den Grashalm noch heute.
Bekennendes Licht –
Übungsraum, wie vollzogener Klang, wie:
ein Porenguß einwärts.
Glück
dauert. Eine nasse Wiese. Kristallinhand.
Der Gänseruf drüber. Das Nichts,
belippbar, das
Alles.
Reiz
17. November 2008
Kratz an den Beeren
Verschlinge die Antitage –
Im Abseits werden wir
Zu Göttern dort draußen.
Wir zählen Drachenträume und Ruß
Werden Zehntausende sein –
Was immer der Ahorn beweißt
Verblüht als Licht in den Winden.
DoppelA
9. November 2008
Jedem, was wir sind (steigen…), und trotzdem
weiterhin nichts –
Bakterien kommen vor, Bakterien-
tode kommen vor, Zeitzonen. Mech-
anisch. Das enorme Abrollen
von Irgendwas. Blut
klammert nicht ewig, noch finden
sich Worte in
Worten zurecht. Noch
bis auf die Knochen:
– Geh´n wir unter in Erde, ins Hin-Sagen! – sagen wir´s dort:
dass uns der Atem höllt in den Zellen, an Land
pulsbar noch Lebchen,
und Lippen-
wasser nur Saft ist,
un-
füg-
bar.