Weltverklang
Dir Abgenutzes –
in Wieder-Tiefen kehrt dein Lied
in Erdbilanzen will dein Herz:

Allumfassend aus-
skizziert
Verben
Symptogramme.
Erd- und Schlamm- und Götterbrei
dein weggefegtes Elitär
nun schwarzaufweiß der Phänomene:

gezählt sind die Tage
vergessen die Stunden –
Fragmente
Programme.

Doch im Laubentferntem: – lies!
Zu den celestrischen Feuern: –sprich!

Allem fortgewachsenen Weiß
deiner Lichter
dem Halbherzgestein:
Verben
Symptogramme.

Erde in ihnen

11. August 2011

Es war Erde in ihnen und
sie gruben – Paul Celan

Graben, graben,
immer nur graben …
In welches Verhältnis?
Gegen welche Substanz?

Die stumpfen Hände brennen dir noch.

/ /

Stoff,
vielleicht Traum -
Dein rasendes Nichts,
übernachtenes Alles –
und Urhände,

Hände:

Gelichtet
ist es dir Einkehr,
begraben
ist es dir Einkehr.

In welche Verzückung?
Gegen wieviel Kontrast?
Flammender Griff,
Wünschling,

beackert dein Land.

/ /

Graben:
Nach welchem Gebilde,
welch allzeitig Lied?

Geht dir in Himmel,
bettet in Erde.
Spricht zu Partikeln,
klafft im Gestein.
Singt

weitere Sterne.

Hat dort Namen alle, und
Spuren.

Nachts, in den Soll-Bewegungen des Verlebendigten, treiben die Bilder zum Urpunkt der Welt, der ein Vergessen ist. Du kannst es nicht wissen, niemand weiß es, man ist dieses nicht. Nur Stirnzimmer kennen den Blues. Staubaufgeflüster, Purpurptraktat, die Wasser welken laubwärts. Was wir dem Erdgeborenen zutragen ist Kausa von Nomen, Blüten, Lichtgestalt, das Taggesagte denkt nicht nach über uns, noch versagen uns Nanosekunden die Kunde vom Heil und vom Hiersein. Flauschiggrün nennt man es Jetzt oder Nimmernichts, Form ist Leere, Leere ist Form, und das letzte große Sterben wie ein roter, dummer Mond. Episch die Titten, episch das Schicksal, episch die Null, episch das blaue Geräusch, das ich beim Leben mache, episch das Summa-Summarum. Ontologisches Affenwort, weil wir der Gattung der Alphadingsda angehören, Osmose, Aschenbefreite, eine Fortpflanzungsquote sich krümmender Zeit, Nagellackentferner und Atomendprodukte; die Wälder ziehen sich zusammen, Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom: Gott, lebensmittelgroß, in Ganglien, Glutamat und Gina Wild. Wie ein Lebstoff Persönchen sein könnte. Wie ein Körpersaft eine Angliederung an das Geschöpf sein könnte. Wie du in Wahrheit nicht du sein könntest. Von Kleist trinkt, frohlockt, richtet das Gewehr auf das Gesicht seiner Freundin, im Wannsee nebenan: ungezähltes Leben. Das Aufeinander im Ineinander des Voneinander, alles, was du nicht denken kannst, existiert nicht. Doppelwesen du, das andre Biologie. Elementarverteilt kennen sich Lebchen, and your pretty face is going to hell. Anämische Hände. Das Weitliche segnen. Das Blühen erfindet die Blume, das Wort erfindet das Wort. Gassengichtfragmente, Löschwassereinspeisung, Welle-Teilchen Dualismus. Eins = Ich nehme an. Zwei = Ich weise ab. Die unzerbrechlich-grüne Schönheit der Dinge. Wer ist der Mann, wer Frau: ein Topf voll Sperma und Luft, in der Zwischenstrecke aus Mond und Morgen das Rotbluttreiben orchestrierend. Sieh genau hin, Ying, hör genau zu, Yang: Herzbeutelflüssigkeit, Blaubeerbecken, Urversuppung. Man ist nur das. Wie ein Lebstoff Persönchen sein könnte. Die Nacht legt sich zu uns in die Erde, Liebste, tief wie tausend einsame Tiefen tief.

Du schläfst. Wer ist nun was, und wofür? Liebe klettert in eine andere Liebe und das All durchquert immer ein anderes All. Lichtgeladen treibt es sich zu, beult es sich aus, ein Zwilling fährt alleine nach Amerika.
Kielwasser Fleischwasser Metawasser. Der Tod führt zu Nichts führt zu Leben führt zu. Das Leben führt zu Tod führt zu Nichts führt zu.
Das Nichts führt zu Leben führt zu Tod führt zu dir und mir und den zehntausend Dingen, Gott ist ein Fünfeck gespannt zwischen abgesessenen Worten und russischen Prostituierten, deren Namen auf dem Silbenreichtum Shivas enden. Tiefseeumblaut, und wir finden Namen für weitere Namen, um deine schlafende Stirn kreisen Elektronen in elf oder mehr Dimensionen, Abraham ist der erste Sohn und der letzte Vater, das All durchwandert immer ein anderes All, um nirgendwo anzukommen. Stätte meiner Unruhen, vorbildlich, und ich sage dir das Schopenhauer bei Kant gelesen hat, das Materie aus dem Antagonismus von Expansions- und Kontraktionskraft besteht, also werbistdu, werbistdu, denn: wenn das Licht dann versinkt, wird es schön sein.

Du schläfst.
Ich kenne diesen Atem, und lese dir vor: jeder Satellit hat einen Killersatelliten; das Absurde sind nicht die Dinge, das Absurde ist, das die Dinge hier sind und wir sie als Absurd empfinden; die elektromagnetische Abstoßung ist 10 hoch 42 mal stärker als die Gravitation; das fortwährende Dasein des Menschengeschlechts ist bloß ein Beweis der Geilheit desselben; auch mir steht der tausendjahrfarbene Stein in der Kehle, der Herzstein; und bedenk, ist irgend Leben mehr erlebt, als deiner Träume Bilder?
Du schläfst, und ich lese dir vor aus meinen schwarzen Buch, erzähle dir dass in einer Sekunde Milliarden Blutblättchen entstehen und im Bleibenichts deines Körpers taumelnd zugrunde gehen, dass der Geist zuallererst eine Erweiterung des Leibes ist und selbst die Erweiterung des Geistes noch keine Annäherung an das wirklich Wahrheitssuchende ist, ich erzähle dir dass es die Liebe ist, die Hormone gebärt, und dass es das Bewusstsein ist, das ein Gehirn hervorbringt. Einsamkeit, sage ich, hat der Mensch erst unter den Menschen gelernt, und ob ein Hund Buddha-Natur hat ist ein Koan für verspätete Stunden; jeder ist auf der Suche nach Erleuchtung, ohne diese überhaupt haben zu wollen, und warum bitteschön sprechen wir vom Zufall, wenn jede Wirkung eine Ursache hat und Kausalität eine Apriorität literarischen Ausmaßes ist. Lustigerweise steckt die Leere voller Gestalt, und nur fast ist alles vergeblich. Wenn es nur nichts gäbe, so sage ich dir in die Nacht, glaubte ich auch an ein Nichts.

Du schläfst. Das Rauschen der Gasetagenheizung wie ein heranrollendes Meer in einer Nacht aus dunklem Regen. Gestaltetes Land, Material, sich gegenfließend, Gewichte von Haut, Blut-kreisläufen, Gewichte von Arithmetik und Torf. Gewichte. Am Zustandekommenden erweitern sich Seelchen, fein, ja fein kauert der Kosmos. Das Gras ist ein Gras ist ein Gras. Großbuchstabentreu, und fein liegen innen die Lebchen wie ein saftfarbenes Herz. Wie ein Druck in Maschinen. Wie Dreck, der sich aufwiegt. Wie Licht drüber. Sternallzeiten, Seltsamspender, Vollmundgeber, traurig wie volles Papier. Es gibt Stellen im Universum, die über eine Billionen Grad heiß sind und dann gibt es Stellen, die nichts von meinem Glück kapieren. Einer sperrig kargen Gegenwart lächelt man Lichtjahre voraus, ein ewig-kleiner-Junge-Lächeln, ein Atemzug heimwärts, wo es jahrmilliardenlang sitzt, beschäftigt mit Butterstollen, res externitas, der vorzeitigen Entlassung Felix Magaths auf Schalke. Das zimmerdurchflutende Etwas, Weltinnenraumgefüge, Schwachsinnsspur. Wir befürchteten Tage, es kamen Befreite: das Nachschmelzen der Küsten hält an, Überrandgeschehen, Sprachverzauberung, Rosinenreife, und im Busch-Busch die Liebe.

Du schläfst. Am aus der Lunge Entferntem erkenne ich die Wahrheit der Welt. An der Machbarwerdung von Feuer und Tag erkenne ich, am Buntvergrauten und am nächsten wunderbaren Fick. Der Mensch, der noch etwas will, hat vom Wollen nichts verstanden. Out of the earth-bound womb a great story is born. Feines Mineral, Erdkruste und Salz, Übergänge, die eins sind mit den Stunden, nackte Verschiebungen in das neue Beet des Frostes. In sich lauern die Welten auf Gott, in sich zahnt es zu Schicksal und Gas. Eine Zelle Glutwarmes, ein Nichtaufhören voller Leben und Tod. Der Ausblick am See – Abermalsromantik – macht auch keinen glücklich; die Sprache kennt nicht ihr Gegenteil, diese bessere Sprache voller Aufhören und Nichtstun. Wortbaum, Eingedunkeltes, Unterboden. An-, Aus-, Herzgeleuchtet, wo, und wem? Den Nebendingen, den Nebendingen?

Du schläfst. Was noch, bevor du wieder da bist. Ich erzähle dir von der letzten Überweisung des Mietrückstands, vom nassen Lärm in den Armen der Stadt. Dass Lippenwasser nur Saft ist. Dass böse Japaner zu viele Wale töten. Dass die Erde nachwächst in einen Haufen absterbender Sterne. Dass ein vom Licht abgezweigtes Aug´ oftmals nichts weiter als ein vom Licht abgezweigtes Aug´ ist, dass Zähneputzen ein erfundenes Wort ist und Betablocker Poesie, dass es auf Saturns größtem Mond flüssiges Methan regnet und dass verdammt noch mal kein Ding existieren kann, das nicht aus Liebe gemacht wurde. Dass ich auf dich gewartet habe 14.378.595 Jahre lang, eine Habseligkeit, Bewahrstelligungsraum, Quantenkonstruktion. Irgendwann, ich verspreche es, zieh ich hier ein.

Du schläfst; dein Atem höllt in den Zellen, deine Haut wandelt die Kristalle der Luft, werbistdu, werbistdu, wenn ich dich aus deiner Mitte berühre und aufsperre? Ding, das den Raum hebt, Körper, dem die Haut fettet, Geist, der den Kosmos kettet an Person und Bewirkung? Sag, Allerweltgeliebteste: welche Farbe wird sein, wenn dein Blick sich enterdet, welcher Ton wird sich halten, wenn es klingt wie dein Ende? Wozu auferstehen, wenn das, was wir träumten, ehedem schlief. Nirgendsnah die künftigen Verwandten in Rost und Gestein, Neocortex, Holundersirup, vertausendschönfachtes Erdreich. Und mein am Gaumen gurgelndes Lied hebt sich hinauf zu deinen Tränen, in diese eine Berührung pflanze ich die wahre Stunde der Zeit, ich greife in deinen Schlaf und öffne dich, mach dir die Stirn weit, den Herzbogen, den Jetzt-Raum. Du bist eine Antwort, aber wie nenne ich dich? Die Lippen des Verstandes lesen nicht das Gebet des Herzens, aber dies, dies musst du beantworten, diese eine Frage noch, die mir alles ist: Wo ist die Welt wirklich bewohnbar?

Du schläfst, in endloser Stellung zwischen jenen, die kommen, und jenen, die gehen. Dort, wohin ich mich entferne, finde ich immer zurück.
Wenn wir zustande kommen würden, stürbe es nicht.

Viel Fern wird sein

8. Mai 2011

Viel Fern wird sein und Landreich weit,
es werden die Schatten dir siegen –
Pech sieh den letzten Wirkzeitkranz
auf deine Ströme biegen.

Kohleufer. Lorbeertanz.
– Wasser wachsen zu Welten.
Aus fleischem Netze gräbt´s zur Reife,
zu Blau, zu Kammer, Erhelltem.

Massenhaft fahren dir Engel ins Mark.
Celestrisch-wortgleich raunt Stirn.
Dein Neben, dein An-Sich, dem Glücklich-
keim – ein Strich von Blut und Gehirn.

Der von der Stille abgezweigte
ewig dir zugesprochne
Punkt

das Sonneninmitten hautgetan

Ungeheurlich
kann dann das All sein

zwischen jenen die kommen und jenen
die gehen, ungesehen
treibt es den Welten weit
ere Welten zu, Bilder des Tages
werden Bilder des Tages einzig
fortleuchtend
hebt sich die Nacht
aus der leichten Erde des Abends

das alles wird schön sein wie ein vergessenes Wort

Der vom Zugesprochnem
dir ingekehrt gleichende
Punkt

Schöpfung, Phase 1

23. Dezember 2010

Kleine, klare
diese Felder von Dingen -

als ob sich die Luft
zurückwandle in Raum und Gebiet
als ob
dieses Zusonnen
Materie heißt
oder Sterben.

Ichgetauft
und der zögernde Puls
setzt es voraus.
Seltsames Gewebe, Spuren
unsrer Dichte und Gottes
gleichnamigen Namens –

so als ob
traumrändig
diese Welt nach anderer
Welt gerade, so als ob
niemand allein ist
in Werden und Tod

niemand zu zweit
für das Brüllen des Lichtes.

Rheintage, 1

31. Juli 2010

Dass wir gemacht sind hierfür die Welt
setzt sich über dem Rhein
zu Zwischenwelten zusammen wir
haben uns Wolken zugesprochen und warten

in den Ecken des Himmels blaugekrönt
nennen es Luft oder Bild oder Ton und
wissen über das Taggesagte dass es
nicht nachdenkt über uns.

Auf kein Ding ist je ein Wort gekommen.
Alles hält sich unter der Hand.
Die Bilder sind uns jäh zerronnen,
des Lebens Wirken in Ahnung gebannt.

Nichts vom Ganz-hier-sein war jemals so nah
dass ein Stift in der Welt es erspürte.
Die Silben sind schläfrig, die Träume kaum wahr,
in die uns der Federstrich führte.

Auf kein Ding ist je ein Ding gekommen -
In allem Wollen will es sich nicht.
Unter den Monden und über den Sonnen,
brennt nicht dieses Helle, brennt nicht dieses Licht.

Atembrecher

9. November 2009

Inmitten der Zeit
Vollzeit/Überzeit/Zeitheit
ziehen sich Gräben
weiterhin
weit-
hin
von Herzen zu Herzen und
Stoff zu Stoff
Gräben
wie im Paradies.

Das nur verstehen, einfach
nur das.
Das wär das Gedicht.

Hain

18. April 2009

Als wären
wirklich
Rinde und Stein
als wären
sie dort, wo sie binden,
im Wuchs.

Planetentrift
als würden sie kommen, ankommen,
zugunsten.

Hergesagtes, nein, Felsen-
schrift, nein,
nur eine Ahnung, Bildversprechen,
ein Fingerzeig erdwärts,
von Wort zu Wort ohne Ziel
ohne Ahnung, getan:

so als wären
ja wären
ziellos die Leben
belanglos das Sterben;
die Planeten echt
ohnegleichen.

So als würden
– käme man nah –
die Wälder entrastern.

Wirklich, wirklich
das Licht.
Wirklich die Masse
die es anhebt
und unentrinnbar der Stein
auf seiner Kelle zur Welt.

Das Universum (Universum?), stramm,
vergisst sich um Ziffer und Satz.
Was wir lernen
lernt sich im Schatten
weiß sich im Lichtkern
vorhanden.

Ja.
So als wären, tiefer,
die Edlen am Werk.

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