Rheintage, 1
31. Juli 2010
Dass wir gemacht sind hierfür die Welt
setzt sich über dem Rhein
zu Zwischenwelten zusammen wir
haben uns Wolken zugesprochen und warten
in den Ecken des Himmels blaugekrönt
nennen es Luft oder Bild oder Ton und
wissen über das Taggesagte dass es
nicht nachdenkt über uns.
Unter den Dingen/Gegen das Wort
8. Juli 2010
Auf kein Ding ist je ein Wort gekommen.
Alles hält sich unter der Hand.
Die Bilder sind uns jäh zerronnen,
des Lebens Wirken in Ahnung gebannt.
Nichts vom Ganz-hier-sein war jemals so nah
dass ein Stift in der Welt es erspürte.
Die Silben sind schläfrig, die Träume kaum wahr,
in die uns der Federstrich führte.
Auf kein Ding ist je ein Ding gekommen -
In allem Wollen will es sich nicht.
Unter den Monden und über den Sonnen,
brennt nicht dieses Helle, brennt nicht dieses Licht.
…
24. Mai 2010
Wortschatz:
Der
mit den aufgehängten Sonnen.
Der Wiederabbauende. Nichts
kommt dann noch an, ein Weiß
rundet die Zungen.
Nachtstück, Kolkata, 3
3. Mai 2010
Staunende Geschichten
Weggabeln
der Gang
zu dir selbst –
Vom Sterben der Zustände
war nichts mehr zu sehen. Blind
wob es sich auf:
Kreisende Geschichten
Zungen aus Glas
blauumrandet
wie die leichte Erde des Abends.
Zu dir
halbwahrer Blick
dehnt sich die Kraft;
in dir, Halbmund,
neigt sich das Wort:
Geschichten
von Jedermanns Dauer.
Kein Wort
21. Dezember 2009
Kein Wort gibt es
für das Leben dahinter –
nur sprachloser Schnee
in deinem innersten Winter
keine Erde tut sich dir auf.
Alles sitzt tief, alles sitzt lang
im Haus aus gläsernem Schweigen.
Lässt Ideen in Formen, und sieh:
selbst heilige Namen sich neigen.
Keine Erde tut sich dir auf.
Und du atmest wie du es immer getan
es gehen die Lichter dir weiter.
Dieses Mal Anfang und dieses Mal Ende
seit jeher dein stummer Begleiter –
blaue Erde tut sich dir auf.
actus fidei, 30
7. Dezember 2009
1.
Auch das
ein Leben:
Das Rauschen der Gasetagenheizung
wie ein heranrollendes Meer
in einer Nacht aus dunklem Regen
langsam
dem gestalteten Land zu.
Ausbauendes Material, sich
gegenfließend, Gewichte von Haut, Blut-
kreisläufen, Gewichte von Zahlen und Torf.
Gewichte.
(Fragen, noch immer:
Sinkt die Welt, schwebt sie, hat
sie sich lieb?)
2.
Was bleibt
wird Unumkehrbares sein.
Wie Laublaut, wie Ur:
einer sperrig kargen Gegenwart
lächelt man Lichtjahre voraus.
(Nun?: Trinkt die Welt, nährt sie, frißt
sie sich auf?)
Atem und
der Gang durch blaue Stunden.
Wahrhaft, dann wahrhaft
blütenweise Ding um Ding
zeitlose Kraft
man selbst darinnen
das ist es
mehr nicht.
Berlin, 07122009
Atembrecher
9. November 2009
Inmitten der Zeit
Vollzeit/Überzeit/Zeitheit
ziehen sich Gräben
weiterhin
weit-
hin
von Herzen zu Herzen und
Stoff zu Stoff
Gräben
wie im Paradies.
Das nur verstehen, einfach
nur das.
Das wär das Gedicht.
Beziehungsende Reloaded 6
27. Oktober 2009
Trotzdem:
Die genaue Flugbahn
des zerknüllten Papiers,
Blätter blühen entzwei.
Trotzdem
der feine Riss
in noch kleinster Materie,
das Kommen und Gehen
das Kommen und Gehen
das Kommen
von Routen, Mikroben, Klarsichtfolien
das Gehen, das Gehen.
Trotzdem
die letzte Überweisung
des Mietrückstands
und der nasse Lärm
in den Armen der Stadt.
Wie ein saftfarbnes Herz.
Wie ein Druck in Maschinen.
Wie Dreck, der sich aufwiegt.
Wie Licht drüber.
Trotzdem.
Beziehungsende Reloaded 4
27. Oktober 2009
Im dritten
Im zweiten
Im ersten Stockwerk
noch immer die Schreie, die Krämpfe
draußen
noch immer
die Schreie, Krämpfe.
CERN, Kurs in Physik:
Am Anfang
war alles Strahlung
die instabil wurde.
Daher die Dinge.
Daher die Schreie.
Daher die Krämpfe.
Daher also
der Mund
und das nicht zu
gestaltende Wort.
Klassik
6. Oktober 2009
Wasser zu den Himmelsmonden
und der Sonnenstrahlen Herr!:
Ein festes Selbst in diesem Leib
ach wenn es Wirklichkeit doch wär.
Doch das, was ist, das zeigt sich nie,
die Wolken – waren Industrie!
Klassisch bricht mein Gleichgewicht
das All merkt sich Gesichter nicht.
Gehen, wie man immer geht,
sich schlafen legen ohne Welt.
Vor dem Bruch mit deiner Erde
den letzten Rest die Stille hält.