Kein Wort
21. Dezember 2009
Kein Wort gibt es
für das Leben dahinter –
nur sprachloser Schnee
in deinem innersten Winter
keine Erde tut sich dir auf.
Alles sitzt tief, alles sitzt lang
im Haus aus gläsernem Schweigen.
Lässt Ideen in Formen, und sieh:
selbst heilige Namen sich neigen.
Keine Erde tut sich dir auf.
Und du atmest wie du es immer getan
es gehen die Lichter dir weiter.
Dieses Mal Anfang und dieses Mal Ende
seit jeher dein stummer Begleiter –
blaue Erde tut sich dir auf.
actus fidei, 30
7. Dezember 2009
1.
Auch das
ein Leben:
Das Rauschen der Gasetagenheizung
wie ein heranrollendes Meer
in einer Nacht aus dunklem Regen
langsam
dem gestalteten Land zu.
Ausbauendes Material, sich
gegenfließend, Gewichte von Haut, Blut-
kreisläufen, Gewichte von Zahlen und Torf.
Gewichte.
(Fragen, noch immer:
Sinkt die Welt, schwebt sie, hat
sie sich lieb?)
2.
Was bleibt
wird Unumkehrbares sein.
Wie Laublaut, wie Ur:
einer sperrig kargen Gegenwart
lächelt man Lichtjahre voraus.
(Nun?: Trinkt die Welt, nährt sie, frißt
sie sich auf?)
Atem und
der Gang durch blaue Stunden.
Wahrhaft, dann wahrhaft
blütenweise Ding um Ding
zeitlose Kraft
man selbst darinnen
das ist es
mehr nicht.
Berlin, 07122009
Atembrecher
9. November 2009
Inmitten der Zeit
Vollzeit/Überzeit/Zeitheit
ziehen sich Gräben
weiterhin
weit-
hin
von Herzen zu Herzen und
Stoff zu Stoff
Gräben
wie im Paradies.
Das nur verstehen, einfach
nur das.
Das wär das Gedicht.
Beziehungsende Reloaded 6
27. Oktober 2009
Trotzdem:
Die genaue Flugbahn
des zerknüllten Papiers,
Blätter blühen entzwei.
Trotzdem
der feine Riss
in noch kleinster Materie,
das Kommen und Gehen
das Kommen und Gehen
das Kommen
von Routen, Mikroben, Klarsichtfolien
das Gehen, das Gehen.
Trotzdem
die letzte Überweisung
des Mietrückstands
und der nasse Lärm
in den Armen der Stadt.
Wie ein saftfarbnes Herz.
Wie ein Druck in Maschinen.
Wie Dreck, der sich aufwiegt.
Wie Licht drüber.
Trotzdem.
Beziehungsende Reloaded 4
27. Oktober 2009
Im dritten
Im zweiten
Im ersten Stockwerk
noch immer die Schreie, die Krämpfe
draußen
noch immer
die Schreie, Krämpfe.
CERN, Kurs in Physik:
Am Anfang
war alles Strahlung
die instabil wurde.
Daher die Dinge.
Daher die Schreie.
Daher die Krämpfe.
Daher also
der Mund
und das nicht zu
gestaltende Wort.
Klassik
6. Oktober 2009
Wasser zu den Himmelsmonden
und der Sonnenstrahlen Herr!:
Ein festes Selbst in diesem Leib
ach wenn es Wirklichkeit doch wär.
Doch das, was ist, das zeigt sich nie,
die Wolken – waren Industrie!
Klassisch bricht mein Gleichgewicht
das All merkt sich Gesichter nicht.
Gehen, wie man immer geht,
sich schlafen legen ohne Welt.
Vor dem Bruch mit deiner Erde
den letzten Rest die Stille hält.
Hemisspähre, dropped
6. Oktober 2009
Herbst. Keine Zeit
für Gedichte. An Mauern
dunkelt´s organisch
die letzten Farben setzen dir zu.
In großen Senken
bewegt sich die Welt
bewegt sich
Laut-laub
bewegt sich.
Gegen alle Absicht
bricht
Ast um Ast
zeichnen
lange Lider
Ast um Ast
zeichnen
Ast um Ast
dich
gegen
alle Absicht.
Wenn, wenn es
4. September 2009
Wenn es einen Satz, wenn es ihn gibt:
Das Menschliche zu ende bringen.
Auch Farben wie rot oder Kalk
entstanden aus nichts.
Knochen vorab, gen Tierurschnellen – lahm
liegt man zuberge.
Aus Wassern, den einen,
ist Kerngrund entstanden; aus Wassern,
bergend, stammen
die Kräfte.
Falls es ein Wort gibt: Fürwahrmachen.
Die Machbarwerdung
von Feuer und Tag.
Zu ende, zu ende:
Das Licht in den Zellen.
Hain
18. April 2009
Als wären
wirklich
Rinde und Stein
als wären
sie dort, wo sie binden,
im Wuchs.
Planetentrift
als würden sie kommen, ankommen,
zugunsten.
Hergesagtes, nein, Felsen-
schrift, nein,
nur eine Ahnung, Bildversprechen,
ein Fingerzeig erdwärts,
von Wort zu Wort ohne Ziel
ohne Ahnung, getan:
so als wären
ja wären
ziellos die Leben
belanglos das Sterben;
die Planeten echt
ohnegleichen.
So als würden
– käme man nah –
die Wälder entrastern.
Wirklich, wirklich
das Licht.
Wirklich die Masse
die es anhebt
und unentrinnbar der Stein
auf seiner Kelle zur Welt.
Das Universum (Universum?), stramm,
vergisst sich um Ziffer und Satz.
Was wir lernen
lernt sich im Schatten
weiß sich im Lichtkern
vorhanden.
Ja.
So als wären, tiefer,
die Edlen am Werk.
Noch
1. April 2009
1.
Das eine besitzt einen Klang, das andre
besitzt einen Klang. Stein,
der noch nicht gesprochen hat.
(– Ein Wiedergesprochnes…)
Lungen-
luft, in sich
lauern die Welten auf Gott
zahnt es zu Wille und Gas.
(Wir hielten die Stille. Die Stille hielt uns.)
2.
Was noch im Weltenwuchs verband:
als vage Grenze zwischen den Leben,
wie eine kleine Heimat zwischen Hitze und Brot,
das auf-
strebende Licht.
Keime gibt es
und Aas.
3.
Lichtgedanke, wir wissen´s,
und die Luft ist kein Ding ist ein Rätsel; der Himmel
kein Himmel. Noch
fühlen drunten, mickrig, die Zellen die Welt.
(Gegen, entgegen, ent. Wir
hielten die Stille…)
4.
Ein Nichtaufhören voller Blutrot und Stein.
Ein Wiedergesprochenes.
Flattern, aufflattern, auf.
Was die Welt noch nicht wusste
als sie Blau ward, entgegen:
dass wir dort waren, immer,
unter Nessel und Ring
und warteten.