Wahres Brot 1
2. September 2008
Ich träume oft und lebendig. Rede mir im Schlaf dazwischen. Manchmal träume ich allerdings nur von kurzen Schnapschüssen – Titel für Gedichte oder Erzählungen oder sonstige Wahrheiten – und nachtdenke diese eine komplette Schlafeinheit mit mir herum, bis in den späten Morgen und ein nichtsklärendes Erwachen hinein. Dann werden sie zu Mantren, die ich am Frühstückstisch summe und, wie sollte ich auch anders, den lieben langen Tag mit mir und meiner gutmütigen Unerklärbarkeit herumschleppe.
Es erübrigt sich zu erwähnen, mit welch morbidem Respekt ich diesen flackernen, geradezu nichtsnutzigen Geschehnissen begegne, die mich hinterfotzig heimsuchen und doch irgendwie verantwortlich sind für das, was ich schlechterdings nicht ändern, demnach (=) auch nicht bereuen kann.
Als da an Titeln z.B. wären:
– Im Tschad gibts kein Gemüse.
– Ich wollte, jeder bräche los.
– Man nehme.
( …und stelle sich vor: Im Zwielicht meiner Umnächtigtkeit schoss ich einige Male aus dem bewegungslosen Schlaf hoch, um diese zwei Wörter irgendwo niederzuschreiben! Drei Mal tat ich wie geheißen. Am nächsten Morgen fand ich quer durch die Wohnung einige Papierfetzen, auf denen mit allerhand Ausrufezeichen „Man nehme“ gekritzelt stand. Die ganze dumme Nacht quälte mich der Gedanke, diesen Titel zu verlieren, diese bodenlose Albernheit, die mir zu nichts nutze war und die mir im Traum wie eine Offenbarung anmutete.)
– Ich geh jetzt noch ein Mal auf Toilette, und dann nie wieder.
– Wallenstein Wallenstein Wallenstein.
– Vom Übereinander der Zeit.
– Kau es weg.
und, mein Liebling:
– Wenn Hülsenfrüchte frösteln.
5. Januar 2012 um 07:01
That’s a genuinely imprseisve answer.