Standpunkt statt

19. Juli 2008

Einige Tage halten
nicht an. Halten
nicht inne. Nicht
mich …
Sie beginnen irgendwann
zu Zauberbrot zu Flötenschwarm
und Granitgrau vor der Sonne;
dem Rücken zur Welt
aufgestellt
um den Holunder noch zu treiben

ins Aussichtslose.

Einige Tage halten nicht an halten
nicht inne nicht
mich. Obwohl
ich aus den Himmeln greife:
den Balsam gelb und
blaugetünchte Phänomene;
das Ankern im Sand.
So gehe ich mit und gehe
– der Verbesserung würdig
– der Grundvernichtung vielleicht
die Beeren jäten fortan.

Berlin-Enzyklopädie

18. Juli 2008

Abendflüssigkeiten
Brachland
Café-Bouquet
Dadaismus
Eisregennacht
Fahrradständer
Goldt
Hasenheidekraut
Impermanenz
Jogginghose
Kohle
Lingam
Mittsommernacht
Nippel
Oberbaumbrücke
Penner-Partei
Quasimodo
Reibekuchen
Schabrackenschnauze
TrümmerFrauMannKind
Unterflurhydrant
Visionär
Wohlfühltee
Xanthippe
Ypsilon
Zahltag

Und Name sei

16. Juli 2008

Und der Name des Sternes war Wermut.
– Offenbarung

Wer könnte sagen, was der Wermut ist
im geneigten Ablass des Tages.
Umso heller die Welt wird
desto dunkler zieht sein Schattensein.
Die Vögel
kehren zurück aus ihrem Süden
lange Flüsse jagen bergwärts.
Nur die nebelkargen Bäume
heißen Bronchien oder Kapillare
ihr Blut im Schädel wird brackig und grau.

Wer könnte sagen, was der Wermut ist
an einem weißen Strand aus Abendlichtern.
Die Zeit nimmt ihre Wende
ins weder-gut noch weder-böse
und krümmt den Geist ins nasse Fleisch.
Die Kälte im Rücken wird und wird.
Die Vögel
schreien eine Welt zugrunde
und die Gebete hören auf
Schatten zu sein in den Worten.

BLU

15. Juli 2008

Nicht wirklich Teil eines Literaturblogs, und dennoch: dies darf man einfach keinem Menschen vorenthalten. Ein Genie bei der Arbeit. Watch it!

Partikelpur

14. Juli 2008

Luft und ihre Halbwert
zeit, wir werden einander
vorbildlich formen wir werden
wieder getr
ennt durch das Anstatt werden
wir ein
mal und zwei
mal noch

Gras pflanzen vorn
über.

Eine Novelle, die mit 19100 Wörtern für die Netzpräsentation zu groß ist, hat ihre eigene Seite bekommen (rechts, unter Instrumentarium). Dort stehen Auszüge, die man lesen kann, und wenn man diese mag und mehr lesen möchte schreibe man mir eine E-Mail, dann kann ich weiteres versenden …
Es geht um Evolution und um knallharten Sex und Mord und Erleuchtungserfahrungen und Religion und drei Monolithen und einen ewigen Jungbrunnen und um Agaste und On und einen Kartoffelacker. Und Androiden. Einen Selbstmord, einen Sturm und um einen Ochsen, der auf den Marktplatz pisst, um die Struktur der Seele. Genauso spannend, wie es sich anhört, ist es allerdings nicht, sondern noch extremst spannender.

Simplefy

11. Juli 2008

“I used to work in a factory and i was really happy
because i could daydream all day” – Ian Curtis

Mehr braucht es nicht
für ein wahres Gedicht.

Kohinoor

10. Juli 2008

Sich losreißen von Schlaf
und Augen erwecken zu Blüten
den silbernen Schritt wagen
in den leeren erwachten.

Aus taugrünen Wassern
in blaue Federbooten stürzen
ertrinken an Wärme und Traum -
zu Wachshänden reifen

und darin Leben erproben.

Neue Körper über den Körpern
kein Dogma durchnässt diese Herzen;
die Ränder der Frühe verzeihen
mit spitzen Lippen der Zeit.

Zuletzt

9. Juli 2008

1

Was bleibt
von einem fremden Mann in jungen Jahren

wann werden
seine Bilder gelblich
seine Farbe in den Haaren

wann:
geht er mit Sonnenblumen unter?

2

Noch
hält ihn
kein dieseitig’ Versprechen mehr
noch klammert er sich an kein Leben –
seine Wüste ist ein Meer.
Und sein Untergang ein Beben.

Bald ist es soweit: Endlich wird eine amikanisch-israelische Koalition mit ihren Verbündeten, den Samoa- Inseln und Puerto Rico, den Iran in Schutt und Asche legen – jeder weiß, dass solche Pläne seit Jahren keine Pläne, sondern altgebackene Tatsachen sind, die nur auf den richtigen Zeitpunkt warten, verwirklicht zu werden. Aufzuhalten ist dieser Krieg nimmermehr, und übrigens will auch kein Land in Europa den Iranern das zugestehen, was im Rest der Welt Gang und Gebe ist, nämlich Nuklearenergie.
Die Mullahs und Muftis mögen allesamt eine Riesenscheiße zwischen den Hemisphären sitzen haben, jedoch bleibt es nachzuvollziehen, dass dieser Grad der Fremdbestimmung in jedem Menschen, mag er noch so fiesfotzig denken, Abscheu und Demütigung hervorruft. Man stelle sich vor: Pakistan mache Polen klar, dass es nicht will (sagen wir aus ökologischem Prinzip), dass dort Autos schneller als 120 Kmh herumflitzen – während zwischen den Ausläufern des Hindukush und der Wüste Thar vergnügungsgeile Karachianner ohne Tempolimit den halben Wüstestaat umpflügen.
Saddam Hussein hätte, bei aller Nichtliebe, das völkerrechtliche Diktatorenhochrecht besessen, vor dem Krieg, der einfach mal so gegen sein Land geführt wurde und ihn an den guten alten Galgen brachte, die USA bei den Vereinten Nationen anzuschwärzen und mit einem Präventivschlag zu drohen – immerhin weiß jeder Schussel, dass das blutrünstige Regime in Washington – welches mit flächendeckender Zensur und hauseigener Medienpropaganda das eigene Volk schon seit über 850 Jahren geistig in die Knie zwingt und sich nicht scheut, zum Nutzen eines weiteren, großverdienenden Krieges tausende seiner Bürger an nur einem Tag gnadenlos dahinzumetzeln – allerlei Massenvernichtungswaffen gebunkert und kerzengerade Drohungen massenweiße über den Äther geschickt hat. Ein Brief des „Irakian Stallion“, wie S.H. hinter vorgehaltener Hand im Weißen Haus genannt wurde, hätte demnach so ausgesehen:

Sehr geehrter Herr Annan,
Sie wissen, ich bin kein guter Kerl, vielleicht war das die miese Erziehung. Immer Schläge, Sutren, Hahnenkampf. Aber das soll hier mal keine Rolle spielen. Es geht um mein Volk ( Irak ). Hier leben viele Menschen, deren Leben von imperialistischen Marktstrategien auf den seidenen Faden gestellt wird ( ich hoffe, ich habe korrekten Gebrauch von diesem Sprichwort gemacht, dass ich mal in einer Bagdader Oben-ohne-Bar aufgeschnappt habe; auch wir kennen also westliche Werte!).
Wir werden massiv bedroht. Wir haben Beweiße, dass die USA Massenvernichtungswaffen besitzt und gewillt ist, diese gegen unsere friedvollen, gottesfürchtigen Einwohner einzusetzen.
Bedenken Sie bitte: Die Amerikaner haben sich als einzige Nation dieser Welt nicht davor gescheut, Atombomben(!!! = krass!) gegen unschuldige Zivilisten einzusetzen – wir leben in großer Angst vor diesem Dämon, der keine Skrupel zu kennen scheint. Präsident Bush ( eine scheißdumme Marionette, der nicht mal meinen Schwanz von einem Monumentalmonument unterscheiden kann, ich weiß, aber trotzdem, zu irgendeinem muss man ja Präsident sagen …) hat wiederholt mit einem Angriff auf unser bunt-sommerliches, von weißen Palmenstränden umkränzten Land gedroht, öffentlich, vor allen Leuten. Sogar seine Frau weiß davon.
Wir befürchten eine Katastrophe. Sie müssen dem irakischen Volk helfen, sonst wird man bald in Bagdad keinen Fuß mehr vor die Tür setzten können vor lauter sinnloser Gewalt. Also: Töten Sie diesen Drecksack. Braten Sie seine Eier. Löschen sie seine Familie ( Jeff, Jeb, Joseph, Daddy ) einfach aus, bevor, bevor …
Tränen der Angst und der Verzweiflung ersticken meinen Schreibfluss. Ihnen, Her Köfte Annan, sei hiermit bezeugt, wie … und vielleicht wird ja doch noch ein guter, ein erhabener Mensch aus mir. Denken Sie mal drüber nach.
Herzlichst,
Ihr Saddam H.

(Den Silberkoffer samt Inhalt sollten sie als ein Gegenstand meiner Wertschätzung betrachten – gönnen Sie sich mal was.)
By the way: www.irakpornanie.ik. Bin ich auch drauf, dritter von links, Altherrenschnauzer, Lederstiefel, Korsett, volle 35 Minuten :-)

Das sind Worte, die leider nie geschrieben werden. Also: Afghanistan Irak Iran, da gehört bald (mit dem „verbündeten“ Pakistan) zwischen dem Heiligen Land am Mittelmeer und dem anderen Heiligen Land, Hindustan, alles zur Krone –so, wie es eben sein sollte.
Und so wird jetzt bald eine Nation, bis an den Hals bestückt mit allen qualbringenden ABC-Waffen dieser Welt (die sie ununterbrochen global einsetzt, um zu morden und abzuschlachten) einem kleinen ausgetrockneten Pissland – bewohnt nur von Datteln und Gelbsucht – am anderen Ende der bekannten Welt, für das sich normalerweise kein Arsch interessieren würde und das kaum genug Reis, dafür aber zweidrittel aller vorhandenen Ölreserven besitzt, sagen, dass es nun endlich reicht. Es wird ihm das verbieten, was es selbst seit Jahrzehnten praktiziert. Es wird dann dort mit dem guten Recht gebombt, dass der andere sonst (wahrscheinlich) bomben würde.
Wir dürfen, ihr nicht.
Klar, dass dies selbst einem Mahmud Ahmadinedschad, „Die Kralle“, der sonst mit Logik und gesundem Menschenverstand nicht viel anzufangen weiß, irgendwie meschugge vorkommt. Leider reiht sich auch dieser Mann in die Kette derer ein, die, nachweißlich gänzlich ohne menschliche Gefühle und altruistische Absichten, schon immer im Namen irgendeines Volkes die Schicksale des Planeten auf den schwächelnden Schultern trugen und nicht aufhörten, von den Untergegeben auch noch gewählt und wiedergewählt zu werden.

Krieg als größte Wirtschaftskraft; für alle, denen dies sauer aufstößt:
Menschen sind (noch) keine heiligen Wesen. Sie sind Tiere.
Dummheit (Religion), Macht (Religion), Gier (Christentum), Mord und Totschlag (Religion) und Essen-ohne–zu-kauen-einfach-so-Herunterschlingen können nur ausgemerzt werden, wenn es den Menschen in seiner jetzigen Beschaffenheit nicht mehr gibt, sprich, wenn er sich zu einem Dasein transzendiert hat, welches vom heutigen average citizen eben so sehr entfernt ist wie der heutige average citizen vom Homo Erectus. Das wird dauern.
Und bis dahin wird man am selben Tag, an dem in einem französischen Atomkraftwerk flüssiges Uran austritt und das Trink- und Grundwasser verseucht, deklamieren, man halte an der prima Atomenergie fest, sei ja alles kein Problem und sogar: gut fürs geschundene Klima.
Es ist nun mal so: Es braucht große, fast unermessliche Katastrophen, dass der Mensch etwas lernt: bis er nicht vollgas in der Scheiße sitzt, ohne Möglichkeiten, einfach weitermachen zu können wie bisher, wird er nichts zum Besseren wenden. Also:
Her mit den Kriegen, her mit Atomwaffentoten, her mit Überschwemmungen, die Hunderttausende das Leben kosten, her mit den neuen Hartz-4-Gesetzen, her mit der Pest der Cholera mit Prostatakrebs, her mit verhungernden Kinder, karrt sie tonnenweiße an – es hilft ja sonst nichts. Her mit der gnadenlosen Aufrüstung, es kann nie genug sein. Waffen, einfach mehr Waffen, punkt. Her mit Chemie, her mit den Lebensmitteln, an denen wir verrecken. Her mit Feuer. Zerbomben: um dann was besseres zu bauen (Nietzsche).
Für jeden gutplatzierten Bombenteppich fliegen bei mir Abends die Sektkorken; die Evolution wird beschleunigt; Leid, das gute alte Leid, ratzfatz ausradiert. Nun.

Damit dieser Bericht auf einer heiteren Note endet:
Was ist Grün und stinkt nach Scheiße?
– SV Werder Bremen.

Und gute Nacht.

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